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Manjush - von vielen Ängsten geplagt und trotzdem heiß geliebt!

  • Posted on:  Tuesday, 15 September 2020 21:18
Mischlingsrüde Manjush war unser "dienstältester" Schützling, aufgrund schlimmer Erfahrungen in seiner Kindheit war er unberechenbar und biss unkontrolliert zu, wenn er Angst bekam. Unsere 1. Vorsitzende hat sich seit vielen Jahren um ihm gekümmert und konnte auch gut mit ihm umgehen. Leider war Manjush seit vielen Jahren nicht mehr gesund, tierärztliche Untersuchungen waren aber nur unter Vollnarkose möglich, Behandlungen, bei denen eine Nachbehandlung erforderlich gewesen wäre, waren einfach hoffnungslos. Seit einiger Zeit ging es Manni zunehmend schlecht, vorgestern mussten wir ihn gehen lassen. Unsere 1. Vorsitzende Frau Thomas hat Manni sehr geliebt und sich viele Jahre intensiv um ihn gekümmert. In ihrer großen Trauer hat sie einen sehr emotionalen Nachruf auf ihren Freund Manni verfasst:

Manjush – Nachruf auf einen guten Freund

Wenn ich an Manjush denke, fällt mir vieles ein. Ich könnte schmunzeln, weinen, mich freuen, verwundert, gerührt oder entsetzt sein.

Schmunzeln, wenn ich mich erinnere, wenn er wie ein kleiner Gummiball mit wehenden Ohren in die Luft hüpfte, wenn ich zu ihm kam. Weinen, weil er nie ein richtiges Zuhause haben konnte. Freuen konnte ich mich, wenn er Spaß mit seinen Hundefreunden hatte. Besonders zu Juri hatte er ein inniges Verhältnis und zu seiner Hundefreundin Laika. Es war ein wunderschöner Anblick, wenn Manjush und Laika auf dem großen Auslauf vorne an der Straße zusammen auf dem Hügel lagen – wie zwei Wölfe bei der Rast. Verwundert war ich immer darüber, wie schnell Manjush etwas lernte und perfekt ausführte oder wie gut er gehört hat. Ein geflüstertes „Manjush“ über Hunderte Meter entfernt ließ ihn zu mir flitzen. Es hat mich sehr gerührt, wenn er liebevoll und sanft meine komplette Hand in seine Schnauze genommen hat, um mich zu begrüßen oder ich ein richtig tolles Hundebussi von ihm bekommen habe. Immer wieder kam es aber auch vor, dass ich entsetzt und geschockt war, wenn sein Verhalten plötzlich umschlug. Manchmal passierte das im Bruchteil einer Sekunde und Manjush wurde zum fletschenden Monster. Leider ging das nicht immer glimpflich aus und es gab immer wieder Beißvorfälle. Zum Glück selbst habe ich das selbst nicht erlebt, sonst hätte ich mich vielleicht auch nicht mehr getraut, mich ihm zu nähern. Nur einmal hat Manjush mich in beide Arme und Beine geschnappt, aber das war nur, weil ich um die Ecke geschaut habe, als er gerade dabei war, eine Milchpfütze vom vorangegangenen Tag der Offenen Tür aufzuschlecken. Das war auch wirklich unverschämt von mir. Ich war völlig geschockt, hatte aber noch nicht einmal einen blauen Fleck. Seine Attacke schien wohl eher eine Warnung zu sein, dass ich mich zukünftig von seinem Futter fernhalte.

Wir können jetzt lange über seine Vergangenheit diskutieren - als Welpe in Rumänien von einer Mutter geboren, die sich von Papier ernähren musste, später in Deutschland wegen Verhaltensauffälligkeiten mehrfach herum gereicht, bis er bei uns landete. Auch über die erste positive Entwicklung danach, wo er mit mir eine Hundeschule besuchen durfte und die komplett gescheiterte Vermittlung, die zunächst so positiv begann. Aber der Bub hatte einfach Pech. Zu diesem Zeitpunkt hatte er eine Ehrlichiose entwickelt und Schmerzen bei Berührung. Dies brachte ihn zusammen mit dem Verteidigen von Ressourcen endgültig in die Position des als unvermittelbar geltenden Hundes. Eine tierärztliche Untersuchung endete im Fiasko und ab dann galt Manjush eigentlich als unberechenbar und gefährlich. Noch einige Trainer wurden später auf das Schicksal von Manjush aufmerksam und versuchten ihm zu helfen. Aber zu diesem Zeitpunkt konnte man längst keinen liebevollen und braven Familienhund mehr aus Manjush machen.

Da habe ich mir geschworen, ihn jeden Tag seines Daseins zu besuchen, mit ihm zu rennen und zu spielen, damit er wenigstens eine Bezugsperson hatte. Und es ist zum Glück gelungen. Wir haben oft mit Hunden aus Johannas Hundeschule gespielt, wenn sie zum Training auf unserem Platz war. Übrigens mochte er Johanna sehr und ihr Hund Juri war ja sowieso sein bester Freund.

Nachdem Tosco ausgezogen war, hatte Manjush ein richtig großes Areal mit Zwinger, riesigem Auslauf, einem zusätzlichen überdachten Auslauf mit Hütte und einen weiteren Platz zum Toben, wenn der Schlupf nach draußen ganz geöffnet war. Das hat ihm gefallen. Ja, der Bub hatte eigentlich ein schönes Leben, obwohl er im Tierheim war. Er hatte sich daran gewöhnt und tägliche regelmäßige Abläufe waren sehr wichtig für ihn. Im neuen Tierheim hätte er in einem Bereich wohnen dürfen, wo er auch nachts in den Freilauf hätte laufen können – das war sein geheimer Wunsch. Und den wollte ich ihm eigentlich noch erfüllen.

Im Januar dieses Jahres ging es Manjush plötzlich sehr schlecht und wir hatten Angst, dass jemand ihn vergiftet haben könnte. Da keine Untersuchung möglich war, haben wir erst einmal gebangt. Doch er erholte sich wieder und dann haben wir einen großen Gesundheitscheck in Vollnarkose geplant. Alles war vorbereitet, im Vetzentrum in Rosenheim standen drei Ärzte für ihn bereit, aber der Bub hatte keine Lust. Er ließ sich auch nach mehrfacher Nachdosierung nicht mit dem Blasrohr narkotisieren. Aus Sicherheitsgründen musste die Aktion dann abgebrochen werden. Nach 1 Stunde war Manjush schon wieder topfit. Nun war guter Rat teuer. Wir wussten, dass jeder weitere Versuch ähnlich schwierig werden würde.

Manjush war aber zunächst mal wieder 2 Monate lang quietschfidel und ich konnte ihn ja jeden Tag beobachten. Leider kam aber dann der nächste Rückfall und so lief es bis letzte Woche in immer kürzeren Abständen. Immer, wenn wir dachten, dass man jetzt handeln muss, ging es ihm plötzlich wieder besser. Aber letzte Woche war sein Zustand wieder sehr schlecht, er verweigerte sein Fressen und nahm nicht einmal mehr seine Leckerli mit den Medikamenten. Am Wochenende hatte sich seine Situation so dramatisch verschlechtert, dass wir alle gemeinsam entschieden haben, ihm zu helfen. Manjush hatte das Glück, am Sonntag Abend durch einen sehr einfühlsamen Tierarzt erlöst zu werden. Dieser konnte hervorragend mit dem Blasrohr umgehen und Manjush ist sehr friedlich eingeschlafen. Er war nicht alleine, als seine Seele von uns gegangen ist, er wurde würdig verabschiedet und darf bald in einer Urne zu mir ziehen.
Danke Manjush für alles, was du mir gezeigt und beigebracht hast. Du warst ein kluger, ein charaktervoller, ein stolzer und ein wunderschöner Hund mit einem Herz für Menschen, die dich akzeptiert und respektiert haben.
Vielleicht tobst du jetzt irgendwo mit deinen Freunden rum – mit Deinem Knickohr und Deinem Schlappohr – ich sehe Euch aus der Ferne und freue mich für dich, mein Bub! Schön, dass es dich gab und dass ich dich kennenlernen durfte! Ich werde dich niemals vergesssen.
Gelesen 245 x Zuletzt bearbeitet am Tuesday, 15 September 2020 22:43
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