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Wie ich verlernte Fleisch zu essen

  • Posted on:  Donnerstag, 03 Oktober 2013 10:40
Hallo liebe Tierfreunde,
 
ich möchte euch von einem wichtigen Schritt in meinem Leben erzählen. Ich bin Vegetarier geworden. Noch vor einem Jahr hätte ich mir das nicht vorstellen können. Zu gern, habe ich ein saftiges Steak oder eine Salamipizza gegessen. Heute steht das für mich nicht mehr zur Debatte. Der Gedanke Fleisch zu essen ist mir mittlerweile zuwider.
Wie es dazu kam ist eigentlich nicht verwunderlich. So kennen alle von uns viele Gründe, die aus Sicht des Tierschutzes für eine vegetarische oder eine vegane Ernährung sprechen. Internet und Fernsehen machten mich auf das Leid der Tiere in der Fleischindustrie aufmerksam. Tierhaltung auf engstem Raum, zu frühe Trennung von Muttertier und Kind, Kastration ohne Betäubung, Erschlagen von zu schwachen Jungtieren, miese Transportverhältnisse zum Schlachthof und schließlich brutale Abschlachtung widersprechen meiner Haltung zum Tier als wertvolles Geschöpf unserer Erde mit Recht auf ein lebenswertes Dasein. So begann mein schlechtes Gewissen bei Fleischmahlzeiten an mir zu nagen und mir blieben die Bissen immer öfter im Halse stecken. Anstatt wie bisher vor meinen Wertvorstellungen wegzulaufen, ging ich nach und nach dazu über meinen Fleischverbrauch zu reduzieren. Ich lernte neue Nahrungsmittel kennen und kreierte nach anfänglichen Schwierigkeiten richtig leckere Gerichte mit alternativen Lebensmitteln. Da ich jedoch nicht ganz auf Fleisch verzichten wollte, achtete ich beim Kauf auf Bioprodukte. Das beruhigte mich zunächst. Jedoch konnte ich beim Essen die Gedanken an armselige Tiere, denen ein schönes Leben durch Menschenhand verwehrt wurde, nicht abschütteln. Wie ein Bumerang holten mich meine eigenen Wertvorstellungen und der Widerspruch zu meiner Ernährung immer wieder ein. Weitere Recherche bestätigte mir meine Vermutung, dass auch Bioprodukte kein artgerechtes Leben der Tiere garantieren. Nach weiterer Auseinandersetzung mit dem Thema kam ich schließlich zu dem Schluss, dass selbst wenn ein Tier ein „schönes“ Leben gehabt hätte, niemand das Recht hat, es brutal zu beenden. Auch eine artgerechte Schlachtung gibt es nicht.
Ganz unverhofft, kam es eines Tages zu einer Situation, die ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben sein sollte. Ich ging spazieren und sah ein Mädchen auf einer Wiese sitzen. Liebevoll hielt es etwas in den Armen. Ich dachte an eine Puppe oder einen Teddybären. Ohne weiter darauf zu achten setzte ich meinen Weg fort. Da kam mir ein kleiner Junge entgegen und lief freudig auf das in der Wiese sitzende Mädchen zu. „Du hast ja Heidi mitgebracht! Mei ist die liab!“ rief er. Unvermittelt drehte ich mich zu den Kindern um. Da sah ich, dass kein Teddybär, sondern ein Huhn auf dem Schoß des Mädchens saß und sich vertrauensvoll in die Arme des Kindes kuschelte, die es vorsichtig hielten. „Du hast ja ein Huhn!“ sagte ich überrascht zu dem Mädchen. „Ja, alle nennen mich das Mädchen mit dem Huhn. Heidi ist zahm  und folgt mir überall hin.“ Nach einer kurzen Unterhaltung, in der sich herausstellte, das das Mädchen eine sehr wertschätzende Haltung gegenüber dem Huhn lebte, eine Bindung zu dem Tier aufgebaut hat und ihm ein schönes Leben im Grünen unter Artgenossen ermöglichte, wendete ich mich von dem friedlichen Bild des Kindes mit dem Huhn auf dem Schoß ab und setzte seltsam berührt meinen Weg fort. Diese Kinder haben verstanden, was mir bisher verborgen blieb, nämlich, dass nicht nur Haustiere eine individuelle Persönlichkeit haben, niedlich und liebenswert sind, sondern alle Tiere, auch die sogenannten Nutztiere. Das Bild mit dem Kind und dem Huhn ließ mich in den nächsten Wochen nicht los. So dachte ich mir, dass Hühner normalerweise nie auf den Schoß eines Menschen springen sollten, da sie dort nichts Gutes, sondern nur Gewalt und Mord zu erwarten haben. Aber dieses Huhn hatte das Privileg die Menschen von ihrer guten Seite kennenzulernen. Sollten nicht alle Tiere in einer Welt leben, in der sie solche Erfahrungen tagtäglich machen dürfen? Mir wurde langsam klar, dass es mit meiner Ernährung so nicht mehr weiter gehen konnte. Es gibt keine lästigen Gedanken an Schlachtung und unartgerechte Haltung von Tieren. Es ist die Wahrheit und jeder Fleischesser, auch ich, ist für diese Tierquälerei verantwortlich.
Mit der „grünen Woche“, einer Themenwoche auf einem Fernsehsender, war für mich der Fleischverzehr beendet und der Vegetarismus geboren. Ich verfolgte einen Bericht, in dem das Leben von Menschen gezeigt wurde, die es sich zur Aufgabe gemacht haben unsere Erde zu schützen. Auch Tierschutzaktivisten wurden vorgestellt. Doch bewundernd zuschauen und sich denken, gut dass es solche Menschen gibt und ihnen mit meiner eigenen Lebensweise zugleich ein Bein stellen, wollte ich nicht. Ich wurde mir meiner Verantwortung gegenüber unsere Welt bewusst. Als gerade Delphine für den Fleischverzehr eingefangen wurden und verzweifelt versuchten sich vor der mörderischen Menschenhand zu retten, schaltete ich den Fernseher ab. – Aber nicht um zu Verdrängen, sondern mit dem für mich einzig richtigen Entschluss:
 
NIE WIEDER FLEISCH!!!
 
Das ist jetzt vier Monate her. Es geht mir richtig gut. Ich habe ein sehr viel besseres Gefühl, wenn ich an meine Ernährung denke. Nach dem Essen bin ich nicht mehr so müde und ja, ich habe auch abgenommen. Schlechter Essen tu ich nicht. Es gibt viele leckere vegetarische Speisen. Wenn man sich einmal mit dieser Ernährung auseinandergesetzt hat, kann man nur davon begeistert sein, welche Vielfalt an gesunden Köstlichkeiten sich da eröffnet.
Aber das Wichtigste: Ich bin mir mitten in einer häufig ignoranten, abgestumpften, profitorientierten Spaßgesellschaft ein Stück weit selbst treu und das ist ein tolles Gefühl.
Manchmal werde ich gefragt, ob ich nicht doch auch mal einen schwachen Moment habe. Ja, aber die Wahrheit unterstützt mich in meinem Handeln:
 
Fleischgenuss ist Genuss für einen Augenblick, aber das Leben eines Tieres ist für immer geraubt.   
–                     
Das ist meine Geschichte. In meinem Leben als Vegetarier werde ich gemessen am deutschen Durchschnittsverbrauch ca. 945 Hühner, 46 Schweine, 46 Puten, 37 Enten, 12 Gänse, 4 Schafe und 4 Rinder verschonen. Ein Tropfen auf dem heißen Stein meinen Sie? Nein, denn es ist auch ein Zeichen für ein mögliches Umdenken in unserer Gesellschaft und eine Einladung an alle Menschen Mut zu fassen, zu den eigenen Wertvorstellungen zu stehen und das eigene Leben und somit auch die Welt so zu gestalten, dass sie ein Stück weit liebenswerter und lebenswerter wird. Wir sind Menschen und keine Monster, lassen Sie das alle Lebewesen spüren. Die Tiere werden es Ihnen danken.
Gelesen 2428 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 03 Oktober 2013 10:50
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